Mit freundlicher Genehmigung der Offenbach-Post und Franz Krafczyk zur Wiederveröffentlichung des Artikels vom 05.11.2026
Langen – Der Wechsel von Carlos Hidalgo zu den Basketballern des TV Langen war eine klassische Win-win-Situation. Nach drei Jahren bei den Ahorn Camp Baskets hätte der Spielmacher in Speyer nur noch als Trainer bleiben können, nachdem er in der vergangenen Saison verletzungsbedingt lange pausieren musste. Die „Giraffen“ eröffneten ihm dagegen die Möglichkeit, weiterhin als Spieler in der Division ProB Süd aktiv zu sein. Da musste der Spanier nicht lange überlegen.
„Mein erster Eindruck vom Verein ist sehr positiv. Die Leute im Verein sind alle sehr nett, wir sind wie eine große Familie“, stellt er nach seinen ersten Wochen in Langen fest. Der 29-Jährige hat sich gut eingelebt, auch wenn es in Deutschland etwas kühler ist als in seiner Heimat Cádiz. Dass er die Region bereits aus seiner Zeit in Speyer kennt, erleichterte ihm die Eingewöhnung zusätzlich. „Es war keine große Umstellung für mich“, sagt der Spanier, der seit gut einem Jahr Deutsch lernt – und die Sprache bereits fließend spricht.
In seiner Heimat spielte der Aufbauspieler zuvor mehrere Jahre in der dritten Liga, suchte dann jedoch eine neue Herausforderung. „In meiner Zeit in Spanien ging es mir mental nicht mehr gut“, blickt Hidalgo zurück. Die Anfrage aus Speyer kam daher wie gerufen. „Ich habe nicht lange nachgedacht und bin den Schritt einfach gegangen“, sagt er.
Anderthalb Jahre lang war Hidalgo eine wichtige Stütze der Ahorn Camp Baskets, ehe ihn eine Sehnenreizung am Fuß ausbremste. „Als Basketballer möchtest du immer spielen und für deine Mannschaft da sein. Daher habe ich teilweise sogar unter Schmerzmitteln gespielt, was natürlich schlecht für meine Gesundheit war. Das Ganze hat sich dann zu einer chronischen Verletzung entwickelt“, erinnert er sich.
Seit Beginn der laufenden Saison ist der Spielmacher nicht nur wieder schmerzfrei, sondern auch ein Leistungsträger der „Giraffen“. Dass der TV Langen fünf seiner bisherigen sechs Saisonspiele gewonnen hat, ist auch sein Verdienst. Mit Blick auf das Saisonziel bleibt der Spanier allerdings zurückhaltend. „Ich verspüre großen Hunger, die Play-offs zu erreichen, ich möchte mir darüber aber nicht zu viele Gedanken machen“, sagt er.
Das liegt auch am vergleichsweise geringen Budget. Wie für die meisten seiner Mitspieler ist Basketball auch für Hidalgo nicht die Haupteinnahmequelle. Unter der Woche arbeitet er in Mainz als Physiotherapeut. „Es ist nicht immer einfach, alles unter einen Hut zu bekommen. Aber so ist das Leben“, sagt er mit einem Schmunzeln.
Beeindruckt zeigt sich der Neuzugang aber vom großen ehrenamtlichen Engagement im Verein. Der TV Langen mache „aus wenig sehr viel“. Dennoch würde er sich über mehr Zuspruch von außen und eine größere Kulisse bei den Heimspielen freuen. „Ich habe das Gefühl, dass die erste Mannschaft trotz der Tradition des Vereins und der guten Ergebnisse auf nicht so viel Interesse stößt. Das hat mich etwas überrascht“, gesteht er. Ob Hidalgo den „Giraffen“ in den kommenden Spielen zur Verfügung stehen wird, ist allerdings noch offen. Nach einer Tätlichkeit beim jüngsten 85:72-Erfolg beim BBC Coburg wurde er des Feldes verwiesen und muss nun eine Sperre befürchten. Das Urteil der Liga stand am Donnerstag noch aus. Eine völlig neue Situation für den Spieler, der auf dem Feld bislang nicht durch solche Vergehen aufgefallen war. „Was ich sagen kann, ist, dass ich mich bei allen Beteiligten entschuldigt habe und wir im Positiven verblieben sind“, versichert er.
Deshalb ist es möglich, dass TVL-Trainer Tobias Jahn bereits am Samstag (19.30 Uhr) im Spiel bei der BG Leitershofen auf Hidalgo verzichten muss. Das wäre zwar eine große Schwächung für die Langener, doch auch ohne ihren erfahrenen Point Guard gehen sie als Favorit in das Duell mit dem Tabellensiebten. Denn schließlich haben die Langener schon gezeigt, dass sie mit den stärksten Teams der Liga mithalten können.

© Leo F.





