Wir danken der Offenbach-Post und Autor Jörn Polzin für die Genehmigung der Wiederveröffentlichung des Artikels vom 30.05.26
Langen – Die frohe Kunde verbreitete sich am Freitagnachmittag mit der entscheidenden Botschaft vorneweg: „Wir sind zurück“, mit Ausrufezeichen, versteht sich. Adressiert an alle, die es mit den Basketballerinnen des TV Langen halten. Denn die dürfen sich nun doch über ihr Comeback in der 2. Liga freuen.
„Wir sind natürlich sehr glücklich, dass es doch geklappt hat“, sagt die Vorsitzende Silke Dietrich. „Wir hatten ja frühzeitig unser Interesse bei der Liga angezeigt.“ Möglich gemacht hat die Entscheidung, dass die sportlich qualifizierte Reserve des USC Heidelberg nicht aufsteigen kann, da deren Zweitliga-Mannschaft auf eine Wildcard fürs Oberhaus verzichtet hat und die Statuten zwei Teams eines Vereins in derselben Liga nicht zulassen.
Dietrich weiß natürlich, dass diese unverhoffte Chance eine größere Verantwortung mit sich bringt und einen enormen Aufwand erfordert. „Wir organisieren jetzt alles, um eine starke Mannschaft in der 2. Liga zusammenzubekommen“, sagt sie. Dazu gehört auch die Neubesetzung des Trainerpostens. „Es bleibt spannend.“
NOTIZBUCH DER WOCHE
Chance und Verpflichtung VON JÖRN POLZIN
Ein Männerteam in der drittklassigen Pro B, eine Frauenmannschaft in der 2. Liga: Es geht wieder aufwärts am Basketball-Standort Langen. Beim Turnverein, der für Tradition steht, familiäre Atmosphäre, für Zusammenhalt und Ehrenamt. Zu Hochzeiten auch für bundesweite Erfolge. Aber auch für wirtschaftliche Vernunft und begrenzte Möglichkeiten, die es im Vergleich mit potenteren und breiter aufgestellten Vereinen sowie den immer professionelleren Strukturen schwerer machen.
Dass nun im schmucken Sportpark ab Herbst wieder Bundesliga-Basketball geboten werden kann, ist ein wichtiges Signal, aber auch eine Verpflichtung. Eine echte Herausforderung ohnehin. Das hat Manager Jürgen Barth schon in der Pro-B-Premierensaison feststellen müssen. Und die Anforderungen steigen weiter, entgegen der Finanzen. Nicht von ungefähr ist Barth überzeugt, dass die zweite Saison die schwierigere wird. Stets verbunden mit der Frage: Was können, was wollen wir investieren, um uns in der Liga zu etablieren, als Verein, dessen Budget ligaweit im unteren Drittel angesiedelt ist?
Da braucht es Überzeugung, Kreativität und Durchhaltevermögen auf und abseits des Feldes. Von der Ausrichtung, vornehmlich auf junge, kostengünstigere Spieler zu setzen, können und werden die „Giraffen“ nicht abweichen. Noch schöner wäre es freilich, auf einen eigenen Unterbau zurückgreifen zu können. Schon länger stellt der Klub keine eigene U19- und U16-Bundesligamannschaft mehr. Die Nachwuchs-Kooperation mit der SG Weiterstadt ist ein erster Schritt, weitere sollten folgen. Das Pro-B-Team könnte für jene Talente eine lohnende Perspektive sein. Für dieses wird es einzig darum gehen, den drei Abstiegsrängen fernzubleiben. Das wäre mehr als respektabel.
Dass die Langener Frauen den Betriebsunfall nach nur einer Saison korrigiert haben, löst Freude und Erleichterung aus. Weil es zurück in die Zweitklassigkeit geht, in der die Kooperationspartner Langen und Hofheim wieder die Kräfte bündeln und das Produkt Rhein-Main Baskets aufleben lassen können. Trotzdem hat sich die Vorsitzende Silke Dietrich sehr genau überlegt, ob der Klub diesen Schritt wagen soll. Und das ist richtig. Denn klar ist: Der Kader muss deutlich aufgewertet werden, um nicht eine ähnliche Enttäuschung zu erleben wie beim Abstieg im Vorjahr. Es braucht Verstärkungen, sicher auch aus dem Ausland. Vor allem Führungsspielerinnen, die mit Kampfgeist, Einstellung und Härte vorangehen, die ihre Mitspielerinnen besser machen. Gerade wenn ganz große Talente wie einst Mailien Rolf ebenso fehlen wie Ausnahmespielerinnen à la Stephanie Wagner oder Svenja Greunke. Dass der Verein die Gelegenheit dennoch am Schopf packt, ist löblich – Chance und Verpflichtung.

GEMINI KI





© Leo F. Postl