„Die aktuelle Quotierung der deutschen Spieler sollte nicht das Ende der Entwicklung sein!“

Jürgen „Jogi“ Barth gehört fast schon zum Inventar der 2. Basketball-Bundesliga. Der Chef des TV Langen kennt die Liga, Basketball-Deutschland und zahlreiche Hallen und Clubs wie seine Westentasche – schließlich war der Koordinator des Deutschen Olympischen Sportbundes auch als Spieler und Trainer viele Jahre aktiv. Wie sich die Liga, die Standards verändert haben, Professionalität Einzug hält und wer eigentlich das größte Talent seiner drei Söhne besitzt, beantwortet Barth im Interview mit Parkettgeschichten-Redakteur Sven Labenz.


Herr Barth, Sie kennen Basketball-Deutschland wie Ihre Westentasche. Wann wird der Sport eigentlich langweilig für Sie?

Der Sport bzw. das Spiel eigentlich nie.  Was mir schwerer fällt als früher, sind die weiten Reisen zu den Auswärtsspielen. Das war mal anders: Zu meiner aktiven Spieler- und Trainerzeit in Langen sind wir noch im Reisebus zu den Auswärtsspielen gefahren und da galt die unumstößliche Regel:Die erste (Doppelkopf-) Karte muss vor Erreichen der Autobahn auf dem Kartentausch liegen, das dauerte von der Halle aus 6-8 Minuten, da musste schon recht schnell gemischt werden. Da waren die Fahrten deutlich kurzweiliger als heute, zumal von der heutigen Spielergeneration kaum einer Kartenspielen kannJ. Durch meine berufliche Tätigkeit als Koordinator beim Deutschen Olympischen Sportbund habe ich einen sehr intensiven Einblick in die anderen Olympischen Sommersportspiele und durch den Blick über den Zaun wird mir eigentlich nie langweilig.

Gibt es Hallen und Standorte, die Ihnen auf der Basketball-Landkarte besonders am Herzen liegen?

Natürlich in erster Linie die Standorte, in der ich als Spieler und Trainer aktiv gespielt und gecoacht habe, also in alphabetischer Reihenfolge:  Bamberg, Bayreuth, Berlin, Hagen, Ludwigsburg, Oldenburg, Trier, Tübingen und Ulm. Das war alles noch zur Schulturnhallenzeit und es ist sehr beeindruckend, was die eingeführten Standards in diesem Bereich verändert haben. In den Ligen, wo wir jetzt zu Hause sind, gibt es sehr rührige Standorte wie Leitershofen, Herten, Schwelm, Stahnsdorf oder auch Wolfenbüttel, wo wir in den Play-Offs gespielt haben und wo eine herzliche Atmosphäre herrscht. Auch von Dresden, wo wir am vergangenen Wochenende gespielt haben, war ich beeindruckt.

Mit sechs Bundesliga-Teams ist der Standort Langen / Hofheim auch in diesem Jahr einer der erfolgreichsten in Deutschland. Woran liegt das?

Das fragen wir uns manchmal selber. Während der Sport in der Beko BBL ausschließlich und in der ProA zunehmend von wirtschaftlichen Voraussetzungen geprägt und dominiert ist, gilt das für die Jugendarbeit nur zum Teil. Da kommt es meiner Meinung nach neben der Qualität der Trainer vor allem auf das Herzblut der Trainer und des Stellenwertes der Nachwuchsarbeit an und da sind wir meistens gut aufgestellt. Wir haben als Verein unsere Wurzeln im Nachwuchsbereich und uns auch nie ausschließlich auf den Herrenbereich konzentriert. Die Damen standen sicherlich etwas im Hintergrund , nach der erfolgreichen Kooperation von TV Langen und TV Hofheim, die jetzt als Rhein-MainBaskets in der 1. und 2. DBBL und in der WNBL spielen, hat sich das aber nachhaltig geändert. Im Nachwuchsbereich gibt es bei uns natürlich auch die jahrgangsabhängigen Schwankungen, aktuell sieht es aber bei JBBL und NBBL recht vielversprechend aus, auch wenn Spieler wie Johannes Herber oder Robin Benzing nicht alle Jahre am Standort Langen entwickelt werden können. Mit dem Basketball-Teilzeit-Internat (BTI) Langen ist eine stabile Struktur mit für die Erfolge im Nachwuchsbereich verantwortlich.

Was hat sich im Laufe der Jahre in der 2. Basketball-Bundesliga geändert?

Zunächst mal die Trennung in ProA und ProB,  die meines Erachtens nicht dazu geführt hat, dass die Kluft zwischen der Beko BBL und der Pro A geringer geworden ist. Im Gegenteil, die BBL entwickelt  sich mit deutlich größerer Geschwindigkeit als die ProA, da sind die Mehrzahl der Standorte an ihren aktuellen Grenzen angelangt.  In der ProAhält zunehmend die Professionalität Einzug, hauptamtliche Kräfte ersetzen jetzt schon an vielen Standorten die ehrenamtlichen Strukturen. In der DJL wird meines Erachtens zu viel über Strukturen und Standards diskutiert. Dem Thema Vermarktung und Namensgebung der Liga wird viel Spielraum gewidmet, ohne dass es bislang zu erfolgreichen Aktivitäten gekommen ist. Sportliche und inhaltliche Fragestellungen bleiben dafür auf der Strecke.Mehrere Jahre nach der Einführung der NBBL sollte das Thema „Ausländerregelungen“ angepackt werden, die aktuelle Quotierung sollte noch nicht das Ende der Entwicklung sein. Einzelne ProA-Teams haben 6-7 ausländische Spieler  im Kader, die die Entwicklungsmöglichkeiten deutscher Spieler sehr einschränken.

Worin sehen Sie die größte Unterschiede zwischen ProB und ProA?

Der Hauptunterschied liegt neben der Ausländerregelung sicher in der Budgethöhe und deutlich professionelleren Vereinsstrukturen. Auch einzelne deutsche Spieler lassen in der ProA schon mal ihre berufliche Ausbildung etwas warten, während in der ProB die Spieler noch ausschließend ihre „duale Ausbildung/Karriere“ vorantreiben.  Für junge Spieler ist die Pro B auf jeden Fall ein gutes Sprungbrett, da es viel Spielzeit kombiniert mit der Übernahme von Verantwortung anbietet.


Die Süd-Division der ProB ist traditionell sehr eng. Was wird am Ende den Ausschlag für die Plätze 1-8 geben?

Dieses Jahr gibt es mit Hanau und Dresden, zwei Teams die vor allem defensiv konstant auf einem höheren Niveau spielen als die anderen Mannschaften. Danach ist die Liga in der Tat sehr ausgeglichen, Heimvorteil und Tagesform spielen die entscheidende Rolle über Sieg und Niederlage. Da hapert es leider bei unserem Team, sodass sicher bis zum letzten Spieltag um die Plätze 3-8 gerungen werden wird. Der gerade vergangene Spieltag hat gezeigt, dass außer den vom Verletzungspech gebeutelten Leitershofenern noch jeder die Play-Offs erreichen kann.

 

Zum Schluss eine persönliche Frage: All Ihre Söhne spielen in der 2. Basketball-Bundesliga. Wer hat das größte Talent?

Diese Frage ist mir schon manches Mal gestellt worden, ist für mich aber völlig belanglos. Alle drei Jungs haben in ganz jungen Jahren auch andere Spielsportarten betrieben und sind dann beim Basketball hängen geblieben. Sie spielen vor allem gerne Basketball und sind nach wie vor alle mit Ehrgeiz und Begeisterung dabei. Sebastian und Kai hatten beide Optionen, es auch in der BBL zu versuchen, haben sich aber in Abstimmung mit meiner Frau und mir auf die angesprochene duale Ausbildung festgelegt. Für Nico hoffe ich, dass er die Folgen seiner Sprunggelenkoperation in Australien überwindet und wieder uneingeschränkt Basketball spielen kann. Ansonsten gibt es sicher Gemeinsamkeiten genauso wie unterschiedliche Stärken und Schwächen. Sebastian hat sein Studium beendet und wird seinen Blick in Richtung Berufsleben richten, die beiden anderen sind im Studium und werden wohl noch eine Zeit lang mit Freude spielen.

 

 

 

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