„Ein Traum für jeden Coach“

Jakob Merz hat das, was die Basketballer „Game“ nennen. Ein Korbjäger der das Spiel, das wir alle so lieben, schlichtweg verstanden hat. Einer, der ein Gespür für die richtige Entscheidung hat, für den tödlichen Pass, für das richtige Spielsystem. Einer der weiß, wann er selbst scoren muss und wann welcher Mitspieler einen Vorteil auf seiner Position genießt bzw. welcher Scharfschütze gerade heiß gelaufen ist. Einer der die vielen kleinen Dinge auf dem Parkett macht, bei dem man als wahrer Basketball-Kenner nur mit der Zunge schnalzen kann. Jakob Merz ist bei Weitem kein perfekter Baller, kein ausgereifter Playmaker und sicherlich kein „Floor General“. Jakob Merz ist 16 Jahre alt, Point Guard des TV Langen in der Jugend Basketball-Bundesliga (JBBL) und ein Spieler mit jeder Menge Perspektive.

„Er ist ein Traum für jeden Coach. Wir reden nach jedem Training darüber, was das Beste für die Mannschaft ist“, sagt einer der es wissen muss – sein aktueller Headcoach Fabian Villmeter, Leiter des BTI Langen und kürzlich zum U15-Assistenzrainer der Deutschen U15-Nationalmannschaft ernannt. Rund 30 Minuten sind im zweiten Viertelfinale im Kampf um die Deutsche Meisterschaft gespielt. In der alt ehrwürdigen Georg-Sehring-Halle, auf deren Boden schon Robin Benzing, Denis Wucherer, Patrick Heckmann oder Pascal Roller den Spalding prellten, liegen die Giraffen um Merz gegen den FC Bayern München uneinholbar in Front. Rechnet man das Hinspiel dazu, führen die Hessen nach 70 Spielminuten mit über 40 Punkten – was den zahlreichen Eltern im Publikum schon längst klar ist, wird kurze Zeit später Gewissheit: Die Korbjäger aus der Flugsicherungsstadt Langen stehen als eine der jüngsten Mannschaften der gesamten Liga im Final Four und werden dort Gastgeber Breitengüßbach zum Tänzchen bitten.

Vorne wie hinten gehört Jakob Merz zu den Aktivposten in der Villmeter-Equipe, lenkt, dirigiert und wirft sich ohne Rücksicht auf Verluste nach jedem verlorenen Ball. Der 16-jährige ist neben dem groß gewachsenen Junioren-Nationalspieler Moritz Overdick der wichtigste Mann der Giraffen. Der verlängerte Arm des Trainers. „Er führt die Mannschaft sehr gut und hat, wenn er hart an sich arbeitet, das Potential für das höchste Niveau“, so sein Übungsleiter weiter. Merz, dessen älterer Bruder Max für die FRAPORT SKYLINERS auf Korbjagd geht und dort kürzlich einen 4-Jahres-Vertrag unterzeichnet hat, wirkt nach Spielende erstaunlich erwachsen für sein Alter. Genauso gereift wie sein Spiel.

Mit Banane und Apfel in der Hand steht mir ein sympathischer junger Basketballer gegenüber, der keineswegs die eigenen Leistungen in den Vordergrund stellt oder nach den persönlichen Stats schaut. „Ich versuche, mein Team besser zu machen. Das was die Mannschaft braucht, versuche ich ihr zu geben“, diktiert mir der Nachwuchsspielmacher in meinen Notizblock. Seinen Bruder Max, aber auch die NBA-Größen Chris Paul (L.A. Clippers) und Rajon Rondo (Boston Celtics) zählt er zu seinen Vorbildern. In der vergangenen Spielzeit ging Merz mit Doppellizenz für Langen und den MTV Kronberg in der JBBL, der Oberliga Hessen sowie der 2. Regionalliga Südwest/Nord auf Korbjagd. „Ich habe immer mit älteren zusammen gespielt. Ich denke, das hat mir geholfen“, so der 16-jährige weiter.

Wurf und Tempokontrolle – daran muss Jakob Merz arbeiten, da sind sich Fabian Villmeter und sein Schützling einig. „Und ich darf nicht so oft aus der Balance kommen, wenn ich um zum Korb ziehe“, ergänzt der Langener Spielmacher. Wo es ihn kommende Saison, und damit im ersten NBBL-Jahr seiner Karriere, hinzieht, weiß er noch nicht. Nun steht erst einmal das Final Four in der Bamberger Stechert Arena (11.-12. Mai) auf dem Programm. „Wir haben eine gute Mannschaft. Hier ist alles möglich“, grinst Merz, vertilgt den Rest seiner Banane, bedankt sich artig für das Interview und hilft seinen Mannschaftskollegen beim Abbau der Halle. Ein echter Teamplayer eben.

Text: Sven Labenz
Foto: Marina Steuer

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